II — DAS SCHLOSS DER KALTEN WAND
Du schlägst nicht auf.
Du haftest.
Dein Körper liegt flach an einer schwarzen Mauer, doch die Mauer ist kälter als Oberfläche; sie zieht Wärme aus Erinnerungen, saugt Sommer aus den Gelenken und lässt zwischen Schulterblättern eine trockene, steinerne Stille zurück.
Die Finger werden zu blassen Pilzfächern.
Aus dem Ohr wächst feuchtes Myzel.
Es tastet in die Fugen, trinkt jahrhundertealten Frost und verteilt ihn als feines Kribbeln durch Kiefer, Nacken und Wirbelsäule, bis jeder Wirbel wie ein kalter Zahn im Dunkel sitzt.
Das Schloss erhebt sich um dich, Turm in Turm, Treppe hinter Treppe, doch du gehst nicht hindurch; du wächst hindurch.
Deine Nerven werden zu weißen Fäden im Mauerwerk, deine Lunge zu einem unterirdischen Pilzraum, dein Herz zu einem dunklen Sporenknoten, der bei jedem Schlag neue Gänge in den Stein öffnet.
Der Übergang kommt als Glockenton ohne Klang.
Die Mauer zieht sich zusammen.
Das Myzel spannt.
Dann reißt das gesamte Schloss dich durch eine einzige Fuge, dünner als Licht.